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Die Lüge vom teuren Ökostrom
19.01.2013 | 15:54 Uhr

Nachfolgend ein Auszug aus einem Artikel zu Erneuerbaren Energien von Franz Alt:

Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt in diesen Tagen gebetsmühlenartig: „Die Erneuerbaren Energien sind wesentlich schuld
am steigenden Strompreis.“

Und viele Journalisten beten das Märchen
vom teuren Ökostrom unreflektiert nach.

Doch wissenschaftliche
Studien belegen, dass Sonnen-, Wind- und Wasserkraftstrom schon
heute billiger sind als Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken.

Der Unterschied: Die Milliarden-Subventionen für herkömmlichen
Strom zahlen wir über unsere Steuern – sie tauchen in keiner
Stromrechnung auf. Die 2,7 Cent, die wir ab 2013 zusätzlich für jede
Kilowattstunde Strom zugunsten der Energiewende berappen müssen,
stehen jedoch auf jeder Stromrechnung. Insgesamt kostet uns die
Energiewende ab Januar 5,3 Cent pro Kilowattstunde.

Die wirklichen Kosten: Seit 1970 wurde Atomstrom in Deutschland
mit knapp 200 Milliarden Euro Steuergelder gefördert, Strom aus
Stein- und Braunkohle gar mit 250 Milliarden Euro – die
Erneuerbaren mit knapp 60 Milliarden, aber nicht über Steuern,
sondern über den allgemeinen Strompreis.

Doch selbst diese Rechnung ist noch einseitig zu Lasten der
erneuerbaren Energien. Denn sie erzeugen so gut wie keine
Folgekosten, während beim Atommüll für etwa eine Million Jahre
Entsorgungskosten in unvorstellbaren Milliardenhöhen anfallen und
Kohle, Gas und Öl das Klima aufheizen. Was die Klimaerwärmung
bewirkt haben wir soeben wieder bei Sturm „Sandy“ in der Karibik und
New York erlebt: Über 100 Tote und weit über 50 Milliarden Dollar
Schäden.

Das Märchen vom teuren Ökostrom hat politische und
publizistische Folgen: Manch konservativer Politiker träumt schon
wieder von längeren Laufzeiten der Atommeiler und in der Bildzeitung
haben sich bei einer Umfrage zwei Drittel von 100.000 Lesern die
Atomenergie zurückgewünscht. Atompropaganda statt journalistischer
Aufklärung.

Die Preisrealität sieht so aus: Der frühere Chefvolkswirt der
Weltbank, Sir Niclas Stern, hat schon 2007 vorgerechnet, dass die
Energiewende viel Geld kostet, aber keine Energiewende für die
Weltwirtschaft durch die Klimaschäden der alten Energien und durch
deren steigende Preise fünfmal so teuer wird.

Wenn also marktwirtschaftlich richtig gerechnet wird, das heißt die
Folgekosten mit bedacht werden, dann ist Solar- und Windstrom schon
heute kostengünstiger als der bisherige fossil-atomare Strom-Mix.

Jeder Verbraucher kann beim Vergleich seiner heutigen
Energierechnung mit – sagen wir – Energiepreisen vor zehn Jahren
feststellen: Der Strom wurde in dieser Zeit etwa 70% teurer,
aber das Heizöl um etwa 200%. Auch die Benzinpreise stiegen und
steigen schneller als die Strompreise – trotz der Energiewende.
Wer den herkömmlichen Strom mit Ökostrom vergleicht, verwechselt
Äpfel mit Birnen, weil Solar- und Windstrom das gesellschaftlich
wertvollere Produkt ist. Es entstehen für Kinder und Enkel nämlich
keine Gesundheitsschäden und keine Folgekosten. Einige Cent pro
Kilowattstunde Strom sollte uns das gute Leben unserer Nachkommen
freilich schon wert sein.

Eine neue Studie des Forums für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft
(FÖS) kommt in dieser Frage zum Schluss: „Konventionelle Energien
verursachen deutlich mehr Kosten als den Stromkunden direkt in
Rechnung gestellt werden.“

Und das Bundesumweltamt bestätigt: „Für Atomkraft und Kohle
mussten die Verbraucher deutlich mehr Subventionen aufbringen als
für die jetzige Energiewende und für die Erneuerbaren Energien.“
Hinzu kommen bei den alten Energieträgern: Hunderte Milliarden
Gesundheitskosten, Kosten für Kriege um Öl, Umweltschäden,
Klimaschäden, Schäden durch nukleare Verstrahlung und
Entsorgungskosten. Die Vertreter der Münchner Rückversicherung
machen auf diese Milliardenschäden seit Jahrzehnten aufmerksam.

Scherzhaft gefragt: Was kostet es zum Beispiel, einen Pförtner zu
bezahlen, der für eine Million Jahre Atommüll bewachen muss? Ich
habe für eine meiner Sendungen in der ARD schon vor 20 Jahren das
Fraunhofer-Institut in Karlsruhe ausrechnen lassen, was eine
Kilowattstunde Atomstrom wirklich kosten müsste, wenn die
Endlagerkosten und realistische Versicherungskosten für AKW mit
berechnet würden.
Ergebnis: 4 Mark je KWh, also zwei Euro.



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